Krankheit Teil 2 - Mein Leben mit einer Krankheit

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Meine Krankheit
Teil 2
Kann es wirklich noch schlimmer kommen?   

 
Nun hatte ich Krankenhaus und Reha hinter mir und es ging zum Alltag über. Mir ging es gut und ich konnte wieder ganz normal arbeiten. Ich war mir zwar bewusst, dass ich jetzt eine geschädigte Bauchspeicheldrüse habe, aber ich wollte die Konsequenzen daraus nicht wahrhaben. Alles lief bis zu diesem Zeitpunkt super. Aus Erzählungen von Betroffenen wusste ich, dass viele mit der Ernährung Probleme hatten. Auch hörte ich, dass ein Diabetes 3c (pankreopriver Diabete) durchaus als Folgeerkrankung auftreten kann. Aber ich war naiv und wollte die Tragweite meiner OP an der Bauchspeicheldrüse nicht wahrhaben. Immer wieder bekam ich gelegentlich Oberbauchschmerzen. Doch was sollte das sein? Der gutartige Tumor wurde mir doch entfernt. Ich stellte mich meiner Hausärztin vor, die mich mit starken Schmerzmedikamenten therapierte. Damit waren die Schmerzen zunächst noch zu kontrollieren. Auch in der Liebe hatte ich das Glück wieder auf meiner Seite. Ich lernte meine Frau kennen und lieben. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, was will ich mehr? Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit mir. Die Abstände der Schmerzen wurden immer geringer. Da fielen mir die Worte des Professors ein, der meine OP durchgeführt hatte. Bei Problemen könne ich  jederzeit wieder bei ihm vorstellig werden.  Aufgrund diverser Beschwerden zögerte ich dieses Mal nicht so lange und ging zu ihm in die Kliniksprechstunde.  Es wurden erneut bildgebende Untersuchungen veranlasst. Nach einer Auswertung der Befunde stand fest: Gallensteine und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis).
 
Daher sollten nun die Schmerzen kommen? Was sollte das bedeuten? Schon wieder eine OP? Und dabei hatte man mir schon bei der ersten OP versichert, die Schmerzen würden danach der Vergangenheit angehören.
 
Jedoch war es zu diesem Zeitpunkt für mich die einzige Option, wieder schmerzfrei zu werden. Also legte ich mich erneut auf den OP-Tisch. Die Gallen-OP (Cholezystektomie) verlief reibungslos und so war ich am sechsten Tag wieder zu Hause. Endlich ohne Schmerzen wieder das Leben genießen! Das war doch eine positive Aussicht. Doch auch danach sollte es mir nicht gegönnt sein, endlich wieder schmerzfrei zu werden. Bei einer Kontrolluntersuchung wurde festgestellt, dass ich nun tatsächlich einen pankreopriven Diabetes entwickelt hatte. Dieser war nicht mehr mit Tabletten zu regulieren ich wurde auf Insulin eingestellt. Es war eine wahnsinnige Umstellung, aber auch mit dieser Folgediagnose hatte ich mich zunächst arrangiert.  Was ich aber nicht mehr hinnehmen konnte, waren erneute Oberbauchschmerzen. Manch einmal so intensiv, dass ich wie ein Hund durch die Wohnung kroch. Was sollte das denn jetzt sein? Meine Familie und ich waren so hilflos. Ich denke manchmal, die Familie war hilfloser als ich. Sie wollten helfen aber konnten es nicht. Und ich wollte einfach nicht wieder ins Krankenhaus.

Was sollte ich jetzt machen? Man hat mir zwei Mal versichert nach den OPs sind die Schmerzen weg. Die Prozedur ging wieder von vorne los. Untersuchungen, Kontrolltermine und so weiter.
 
Dann der Hammer!!! Sprechstundentermin bei meinem Professor. Er teilte mir mit, dass auf den CT- Bildern Verkalkungen am Rest-Bauchspeicheldrüsenkopf sichtbar waren. Ich hätte schreien können. Wollte er mir jetzt damit sagen, dass daher die wahnsinnigen Schmerzen kommen? Das konnte doch einfach nicht wahr sein.  Oder vielleicht doch? Und wie bekommt man diese Verkalkungen weg?
 
Es war von einer erneuten OP (REST-Pankreaskopfresektion) die Rede. Das war Anfang 2002.  Einweisungs-Termin war der 10.01.2002. Geplanter OP-Termin 14.01.2002. Bei diesem geplanten Termin ist es vorerst geblieben. Man vertröstete mich von Tag zu Tag. Schuld war wohl mein Allgemeinzustand, welcher eher bescheiden war. Jeden Tag musste ich meiner Familie neue Termine nennen. Die müssen gedacht haben, ich sei in der Psychiatrie in Behandlung und wüsste nicht mehr was ich rede. Für meine Familie und mich ein Druck, dem keiner lange Stand halten konnte. Am 24.01.2002 teilte man mir mit, ich könne erst einmal nach Hause. Keiner von uns verstand die Welt noch.
 





„Reichtum ist viel. Zufriedenheit ist mehr. Gesundheit ist alles!“
(Asiatische Weisheit)

Neuer Antrittstermin 28.01.2002. Es blieb mir keine Wahl. Also bin ich wie vereinbart zur stationären Aufnahme erschienen. Dann ging es los.  Am 29.01.2002 um 08:10 Uhr begann die OP, die bis 14:45 Uhr dauerte. Ich bin der Meinung, dass meine Familie in diesem Zeitraum mehr Ängste zu bewältigen hatte, als ich als Betroffener. Diese Zeit muss für sie zu einer Ewigkeit geworden sein.
Am 30.01. 2002, ich lag noch auf der IST, davon 8 Tage im Koma, bekam ich sehr hohes Fieber, was für die Ärzte unerklärlich war. Besuche, die ich stets von meiner Familie bekam nahm ich nur im Unterbewusstsein wahr. Ich konnte mich später an vieles nicht erinnern.Zum Abend des 30.01.2002 setzte man meine Familie in Kenntnis, die Ursache des Fiebers sei bekannt. Diagnose: Bauchfellentzündung. Sofortige OP um 22.00 Uhr! An diesem Abend bekam ich auf der ITS ein Einzelzimmer, was eher die Ausnahme ist. Meiner Familie erlaubte man, mir einen Fernseher von zu Hause mitzubringen. Eigentlich total untypisch für eine ITS. An dieser Stelle großes Lob an die Professoren, Ärzte, Pfleger und Schwestern. Sie taten alles, um mir eine gute Behandlung, Versorgung und Pflege zukommen und mir jeden stationären KH-Aufenthalt erträglicher zu machen.
 
05.02.2002: Neuer Anruf vom Krankenhaus bei meiner Familie. Wieder OP, es hat sich ein Leberabszess gebildet. Danach verlief alles einigermaßen normal auf der ITS.
 
Am 07.02.2002 dann der nächste Rückschlag: Lungenentzündung! Nachdem ich die Lungenentzündung austherapiert hatte, ging es von der „Dauer-ITS-Station“ auf die Normalstation. Dort bat meine Mutter um ein Gespräch mit dem Stationsarzt. Dieser Arzt teilte meiner Mutter mit, dass ich in meinem Leben wahrscheinlich nie schmerzfrei sein werde. Wir wussten es zu dem Zeitpunkt noch nicht, aber er sollte Recht behalten.
 
Am 17.03.2002 war es so weit: ES GING NACH HAUSE (mit drei Drainagen). Auch in dieser Genesungszeit musste ich oft Rückschläge hinnehmen und mich zu den unmöglichsten Zeiten im Krankenhaus vorstellen. Da hatten sich mal die Drainagen gelöst, die dann wieder angenäht werden mussten und noch vieles andere. Es war immer etwas Neues. Das war jedes Mal nur mit Hilfe meiner Frau, Mutti oder Schwester möglich. Egal zu welcher Tag- oder Nachtzeit, sie waren immer für mich da.
 
Bei der Nachkontrolle wurde dann festgestellt, es hatte sich in der Narbe eine Fadenfistel gebildet. Diese wurde dann am 11.06.2002 operiert. Am 25.06.2002 wurden dann die Klammern der letzten OP entfernt. Eine Weile verging, dann wurde bei einem Kontrolltermin ein Narbenbruch (Narbenhernie) diagnostiziert. Ich konnte mich jedoch mit dem Professor einigen, dass er den Bruch erst in etwa einem Jahr operiert. Die OP erfolgte dann tatsächlich fast genau ein Jahr später.
 
Somit hatte ich in knapp drei Jahren sieben Operationen – meine Familie und ich denken oft daran, reden aber ungern über diese Zeit. Aber: Gab es eine Alternative? NEIN, zu keinem Zeitpunkt!
 
 
. .  . und was hat mir das alles gebracht ... ?
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